Vorgänge beim Glasschneiden


| Thema: Technik des Glasschneidens

Durch das Entlangführen des Glasschneiders über die Schnittlinie entsteht ein feiner Spalt im Glas. Gleichzeitig entsteht bei der Verletzung des Glases Glasstaub. Ein Teil dieses Staubes fällt in den Spalt. So kann sich dieser Spalt nicht mehr schließen: Er bleibt durch den Glasstaub aufgekeilt und steht unter Spannung. Diese Spannung ist das wichtigste beim Glasschnitt. Sie reicht sehr tief in das Glas hinein und bewirkt das glatte Durchbrechen des Schnittes, sobald von der Gegenseite her ein geringer Druck erfolgt. Der Schnitt mit dem Stahlrad, vor allem bei dicken Gläsern, gelingt besser, wenn die Schnittlinie vor dem Schnitt mit Schneidöl genäßt wird.

a) frischer Schnitt; b) gealterter Schnitt; 1 Schnittkerbe; 2 seitliche Begleitsprünge; 3 wirksamer, in die Tiefe gehender Spalt; 4 ausgebrochene Begleitsprünge

a) frischer Schnitt; b) gealterter Schnitt; 1 Schnittkerbe; 2 seitliche Begleitsprünge; 3 wirksamer, in die Tiefe gehender Spalt; 4 ausgebrochene Begleitsprünge

Das Schnittsystem und sein innerer Aufbau sind nur mit einem Mikroskop sichtbar zu machen. Dazu wird ein kleines Glasstück in etwa 10 mm Abstand vom Rand in der Mitte mit einem Kreuzschnitt versehen. Nur dieser Streifen wird abgebrochen. Der einlaufende nicht gebrochene Schnitt muss mit der Bruchkante unter das Mikroskop gelegt werden. Zu erkennen ist dann, dass sich seitlich der Schnittkerbe Begleitsprünge und ein in die Tiefe gehender Spalt gebildet haben.

Der nur bei einem guten Schnitt entstehende Spalt, dessen Tiefe und das den Bruch unterstützende Spannungsfeld bewirken eine leichte und saubere Trennung des Glases. Das Spannungsfeld kann nur in polarisiertem Licht sichtbar gemacht werden. Bereits nach kurzer Zeit geht es zurück und verliert seine Wirksamkeit. Der Schnitt muss daher immer sofort gebrochen werden, solange die Spannungen den Trennvorgang noch unterstützen.