Das Mundblasverfahren


| Thema: Herstellungsverfahren

Dieses Verfahren kann auch als Zylinderblasverfahren bezeichnet werden. Es wird heute nur noch zur Herstellung einiger weniger Spezialgläser angewendet, bei denen sich der Einsatz hochproduktiver Maschinen nicht lohnt. So werden Echtantikgläser, ein Teil der Farb- und Trübgläser sowie manche Signalgläser noch nach diesem Verfahren produziert.

1 und 2 Anblasen des Külbels; 3 Durch Blasen und Schwenken entsteht die zylindrische Walze; 4 Absprengen des Bodens und der Kappe, Aufsprengen des Zylinders; 5 Strecken und Bügeln des Zylinders zu einer Flachglastafel

1 und 2 Anblasen des Külbels; 3 Durch Blasen und Schwenken entsteht die zylindrische Walze; 4 Absprengen des Bodens und der Kappe, Aufsprengen des Zylinders; 5 Strecken und Bügeln des Zylinders zu einer Flachglastafel

Mit der Glasmacherpfeife, ein bis zu 1,750 m langes Stahlrohr, das an einem Ende das Mundstück und am anderen Ende eine nabelartige Verdickung aufweist, wird ein Zylinder von etwa 3 m Durchmesser und mit einer Länge von etwa 1 m aufgeblasen. Die beiden Endkappen des Zylinders werden abgesprengt, und so entsteht eine Glaswalze. Nach Aufsprengen der Walze in Längsrichtung erfolgt im Streckofen das Glätten oder Ausbügeln zu einer Glastafel. Anschließend erfolgt die Kühlung.

Durch die ursprüngliche zylindrische Form der Glastafel hat das Glas jedoch auch nach dem Strecken immer noch eine geringe bogenförmige Spannung, die sich an einer leichten Wölbung der Tafel erkennen lässt. Beim Zuschnitt der Tafel sollte man darauf achten, dass die Tafel immer im Bogen, die „raue“ Seite geschnitten wird. Dabei sollten die etwas höher stehenden Randseiten durch Unterlegen von Leisten abgestützt werden. Es ist ratsam, den Schnitt mit einem Diamanten auszuführen, da der hierbei aufzuwendende Druck geringer ist. Die äußere feuerpolierte Seite, die auch als „blanke“ Seite bezeichnet wird, ist immer nach außen einzusetzen, damit eine einheitliche Ansichtsfläche, z. B. bei bleiverglasten Fenstern, entsteht.