Glasfehler und visuelle Qualität


| Thema: Qualitätsrichtlinien

Die Qualität des Flachglases wird nach Art und Anzahl der auftretenden Glasfehler bestimmt. Die Richtlinien für die Beurteilung der visuellen Qualität von Glas für das Bauwesen gilt für die im eingebauten Zustand verbleibende lichte Glasfläche. Die Beurteilung erfolgt etwa durch Prüfungsgrundsätze des Instituts des Glaserhandwerks für Verglasungstechnik und Fensterbau sowie des Technischen Ausschuss des Bundesverband Flachglas Großhandel, Isolierglasherstellung, Veredlung.

Beschichtetes Glas, eingefärbte Gläser, nicht transparenten Beschichtungen bzw. Verbundgläsern oder vorgespannten Gläsern können ebenfalls nach diesen Prüfungsgrundsätzen beurteilt werden. Die Richtlinien gelten nur eingeschränkt für Glas in Sonderausführungen, wie z. B. Glas mit eingebauten Elementen im Scheibenzwischenraum (SZR) oder im Verbund, Glaselemente unter Verwendung von Ornamentglas oder angriffhemmende Verglasungen und Brandschutzverglasungen. Sie werden in Abhängigkeit der verwendeten Materialien, der Produktionsverfahren und der entsprechenden Herstellerhinweise beurteilt.

Die Bewertung der visuellen Qualität der Kanten von Glaserzeugnissen spielt bei allseitig gerahmten Konstruktionen keine rolle, da hier nur das Betrachtungskriterium Falzzone gilt. Die geplante Einbauvariante sollte schon bei der Bestellung angegeben werden, da vermehrt auch rahmenlose Konstruktionen verwendung finden. Auf alle fälle sollten für die Betrachtung von Glas in Fassaden in der Außenansicht besondere Bedingungen vereinbart werden.

Glasfehler und deren Ursache

Fehler Ursache
Blasen ungenügende Läuterung der Glasmasse (in runder oder länglicher Form)
Knoten Tonsteinchen, die im Glas gelöst werden, aber als Fremdstoff sichtbar bleiben
Schlieren ungenügende Homogenität der Glasmasse
Winden schlechte Vermischung der einzelnen Glasschichten
Fäden Tropfen von abschmelzenden Wannensteinen, die sich nicht mit der Glasmasse versmelzen lassen
Kratzer Oberflächenverletzungen des Glases

Generell ist bei der Prüfung die Durchsicht durch die Verglasung, dass heißt die Betrachtung des Hintergrundes und nicht die Aufsicht maßgebend. Dabei dürfen die Beanstandungen nicht besonders markiert sein.

Die Prüfung der Verglasungen wird aus einem Abstand von mindestens 1 m von innen nach außen und aus einem Betrachtungswinkel, welcher der allgemein üblichen Raumnutzung entspricht, vorgenommen. Geprüft wird bei diffusem Tageslicht, wie zum Beispiel bedecktem Himmel, ohne direktes Sonnenlicht oder künstliche Beleuchtung. Die Verglasungen innerhalb von Räumlichkeiten bei Innenverglasungen sollten bei normaler, für die Nutzung der Räume vorgesehener Ausleuchtung unter einem senkrechten Betrachtungswinkel zur Glasoberfläche geprüft werden. Außenverglasungen, wie Glasfassaden, werden von außen unter Berücksichtigung dazu üblicher Betrachtungsabstände beurteilt.

Prüfbedingungen und Betrachtungsabstände aus Vorgaben in Produktnormen für die betrachteten Verglasungen können abweichen und werden in den Prüfungsrichtlinie nicht berücksichtigt. Die in den Produktnormen beschriebenen Prüfbedingungen sind am Objekt oft nicht einzuhalten.

Qualitätszonen für die Beurteilung der visuellen Qualität von Glas

Qualitätszonen für die Beurteilung der visuellen Qualität von Glas


Zulässigkeiten für die visuelle Qualität von Glas für das Bauwesen
Tabelle aufgestellt für Floatglas, ESG, TVG, VG, VSG, jeweils beschichtet oder unbeschichtet

F = Falzzone:
Breite 18 mm (mit Ausnahme von mechanischen Kantenbeschädigungen keine Einschränkungen)

R = Randzone:
Fläche 10 % der jeweiligen lichten Breiten- und Höhenmaße (weniger strenge Beurteilung)

H = Hauptzone:
(strengste Beurteilung)

Zone Zulässig pro Einheit sind:


F
Außen liegende flache Randbeschädigungen bzw. Muscheln, die die Festigkeit des Glases nicht beeinträchtigen und die Randverbundbreite nicht überschreiten.
Innen liegende Muscheln ohne lose Scherben, die durch Dichtungsmasse ausgefüllt sind.
Punkt- und flächenförmige Rückstände sowie Kratzer uneingeschränkt.




R
Einschlüsse, Blasen, Punkte, Flecken etc.:
Scheibenfläche < 1 m²: max. 4 Stück à < 3 mm Ø
Scheibenfläche > 1 m²: max. 1 Stück à < 3 mm Ø je umlaufenden m Kantenlänge
Rückstände (punktförmig) im Scheibenzwischenraum (SZR):
Scheibenfläche < 1 m²: max. 4 Stück à < 3 mm Ø
Scheibenfläche > 1 m²: max. 1 Stück à < 3 mm Ø je umlaufenden m Kantenlänge
Rückstände (flächenförmig) im SZR: weißlich grau bzw. transparent - max. 1 Stück < 3 cm²
Kratzer: Summe der Einzellängen: max. 90 mm - Einzellänge: max. 30 mm
Haarkratzer: nicht gehäuft erlaubt



H
Einschlüsse, Blasen, Punkte, Flecken etc.:
Scheibenfläche < 1 m²: max. 2 Stück à < 2 mm Ø
1 m² < Scheibenfläche < 2 m²: max. 3 Stück à < 2 mm Ø
Scheibenfläche > 2 m²: max. 5 Stück à < 2 mm Ø
Kratzer: Summe der Einzellängen: max. 45 mm - Einzellänge: max. 15 mm
Haarkratzer: nicht gehäuft erlaubt


R+H
max. Anzahl der Zulässigkeiten wie in Zone R
Einschlüsse, Blasen, Punkte, Flecken etc. von 0,5 bis < 1,0 mm sind ohne Flächenbegrenzung zugelassen, außer bei Anhäufungen. Eine Anhäufung liegt vor, wenn mindestens 4 Einschlüsse, Blasen, Punkte, Flecken etc. innerhalb einer Kreisfläche mit einem Durchmesser von < 20 cm vorhanden sind.

Hinweise:
Die Beanstandungen < 0,5 mm werden nicht berücksichtigt. Vorhandene Störfelder (Hof) dürfen nicht größer als 3 mm sein.

Zulässigkeiten für Dreifach-Wärmedämmglas, Verbundglas (VG) und Verbundsicherheitsglas (VSG):

Die Zulässigkeiten der Zone R und H erhöhen sich in der Häufigkeit je zusätzlicher Glaseinheit und je Verbundglaseinheit um 25 % der oben genannten Werte. Das Ergebnis wird stets aufgerundet.

    Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG) und teilvorgespanntes Glas (TVG) sowie Verbundglas und Verbundsicherheitsglas aus ESG und TVG:

    1. Die lokale Welligkeit auf der Glasfläche – außer bei ESG und TVG aus Omamentglas – darf 0,3 mm bezogen auf eine Messstrecke von 300 mm nicht überschreiten.
    2. Die Verwerfung bezogen auf die gesamte Glaskantenlänge – außer bei ESG und TVG aus Omamentglas – darf nicht größer als 3 mm pro 1000 mm Glaskantenlänge sein. Andere, z. B. geringere zulässige Wölbungen müssen vereinbart sein. Bei quadratischen Formaten und annähe md quadratischen Formaten (bis 1:1,5) sowie bei Einzelscheiben mit einer Nenndicke < 6 mm können größere Verwerfungen auftreten.