Das Walzverfahren


| Thema: Herstellungsverfahren
Wannenüberlaufverfahren

Wannenüberlaufverfahren

1 Schmelzwanne; 2 Austritt des flüssigen Glases; 3 Eindruckwalze für Drahteinlage; 4 Spannrolle; 5 Drahteinlagerolle; 6 obere Arbeitswalze; 7 untere Arbeitswalze; 8 Transportwalzen zum Kühlofen; 9 geschlossener Kühlofen

1 Schmelzwanne; 2 Austritt des flüssigen Glases; 3 Eindruckwalze für Drahteinlage; 4 Spannrolle; 5 Drahteinlagerolle; 6 obere Arbeitswalze; 7 untere Arbeitswalze; 8 Transportwalzen zum Kühlofen; 9 geschlossener Kühlofen

Zur Herstellung von Ornament- und Drahtglas wird das kontinuierliche Walzverfahren angewendet. Es ist eine Weiterentwicklung des amerikanischen Ford-Verfahrens. Die Glasmasse wird in Wannenöfen von 4 bis 6 m Breite und 25 m bis 30 m Länge geschmolzen. Durch eine Öffnung, die gegenüber der Einlagevorrichtung für das Gemenge liegt, läuft die geschmolzene Glasmasse nach dem Prinzip des Wannenüberlaufs durch eine Walzmaschine. Die beiden formgebenden Walzen sind mit einem regulierbaren Zwischenraum zueinander angebracht, sodass die jeweils gewünschte Glasdicke gewalzt werden kann. Die Maschine enthält Förderwalzen, die den weiteren Transport des Glasbands übernehmen. Die Musterwalze für das Ornament liegt im allgemeinen unten. Die in die Walzmaschine laufende Glasmasse hat eine Temperatur von 1200 °C. Es müssen deshalb alle Teile, mit denen die Glasmasse in Berührung kommt, ständig gekühlt werden. Kühlen heißt gleichzeitiges Entspannen des Glases.

Bei plötzlicher Abkühlung der heißen Glasmasse erkaltet zunächst die obere Fläche, während das Innere der Masse noch heiß ist. Dadurch entstehen entgegengesetzte Spannungen. Der Volumenverlust durch das Abkühlen bewirkt an der Grenzstelle zwischen Kalt und Heiß Zugspannungen, während an der Oberfläche Druckspannungen auftreten.

Ein so hergestelltes Glas würde keinerlei Bearbeitungsmöglichkeiten zulassen. Selbst im Glaswerk könnte ein solches Glas nicht vom Band abgeschnitten werden, weil das Spannungsfeld stärker als die Schwächung des Glases mit dem Glasschneider wäre. Das kann man oft beim Trennen schlecht gekühlter Glastafeln beobachten. Berührt der Glasschnitt ein vorhandenes Spannungsfeld, entsteht ein plötzlicher Sprungverlauf, den man nicht berechnen kann.

Mit der gleichen Walzmaschine kann auch Drahtglas hergestellt werden. Die
beiden Walzen haben dabei eine glatte Oberfläche, und zusätzlich befindet sich eine mit Rillen versehene Walze an der Maschine, die das Drahtnetz in die Glasmasse eindrückt. Die Drahtrolle ist über der Walzmaschine in einer Abspulvorrichtung angebracht. Wird die Produktion auf ein anderes Ornament umgestellt, wird die Auslauföffnung mit einem Schieber versperrt. Die Walzmaschine wird ausgefahren und eine andere, mit dem neuen Muster bestückte eingefahren. Nach Öffnung des Schiebers wird die Produktion nach kurzer Zeit wieder aufgenommen.