Visuelle Eigenschaften von Glaserzeugnissen


| Thema: Qualitätsrichtlinien

Bei der Beurteilung eines eingebauten Glaserzeugnisses ist davon auszugehen, dass außer der visuellen Qualität ebenso die Merkmale des Glaserzeugnisses zur Erfüllung seiner Funktionen mit zu berücksichtigen sind. Eigenschaftswerte von Glaserzeugnissen, wie z. B. Schalldämm-, Wärmedämm- und Lichttransmissionswerte etc., die für die entsprechende Funktion angegeben werden, beziehen sich auf Prüfscheiben nach der entsprechend anzuwendenden Prüfnorm. Bei anderen Scheibenformaten, Kombinationen sowie durch den Einbau und äußere Einflüsse können sich die angegebenen Werte und optischen Eindrücke ändern.

Die Vielzahl der unterschiedlichen Glaserzeugnisse lässt nicht zu, dass die Beurteilung durch Prüfungsgrundsätze uneingeschränkt anwendbar ist. Unter Umständen ist eine auf das Produkt  bezogene Beurteilung erforderlich. In solchen Fällen, wie z. B. bei angriffhemmenden Verglasungen, sind die besonderen Anforderungsmerkmale in Abhängigkeit der Nutzung und der Einbausituation zu bewerten.

Bei Beurteilung bestimmter Merkmale sind die produktspezifischen Eigenschaften zu beachten.

Eigenfarbe: Alle bei Glaserzeugnissen verwendeten Materialien haben rohstoffbedingte Eigenfarben, welche mit zunehmender Dicke deutlicher werden können. Aus funktionellen Gründen werden beschichtete Gläser eingesetzt. Auch beschichtete Gläser haben eine Eigenfarbe. Diese Eigenfarbe kann in der Durchsicht und/oder in der Aufsicht unterschiedlich erkennbar sein. Schwankungen des Farbeindruckes sind aufgrund des Eisenoxidgehalts des Glases, des Beschichtungsprozesses, der Beschichtung sowie durch Veränderungen der Glasdicken und des Scheibenaufbaus möglich und können nicht vermeiden werden.

Farbunterschiede bei Beschichtungen: Eine objektive Bewertung des Farbunterschiedes bei transparenten und nicht transparenten Beschichtungen erfordert die Messung bzw. Prüfung des Farbunterschiedes unter vorher exakt definierten Bedingungen (Glasart, Farbe, Lichtart). Eine derartige Bewertung kann nicht in Prüfungsgrundsätzen geregelt sein.

Isolierglas mit innen liegenden Sprossen: Durch klimatische Einflüsse (z. B. Doppelscheibeneffekt) sowie Erschütterungen oder manuell angeregte Schwingungen können zeitweilig bei Sprossen Klappergeräusche entstehen. Des Weiteren sin sichtbare Sägeschnitte und geringfügige Farbablösungen im Schnittbereich Herstellungsbedingung und können durchaus eine Abweichungen von der Rechtwinkligkeit innerhalb der Feldeinteilungen aufweisen. Diese Auffälligkeiten sind unter Berücksichtigung der Fertigungs- und Einbautoleranzen und des Gesamteindrucks zu beurteilen. Auch
Auswirkungen aus temperaturbedingten Längenänderungen bei Sprossen im Scheibenzwischenraum können grundsätzlich nicht vermieden werden.

Bewertung des sichtbaren Bereiches des Isolierglas-Randverbundes: Im sichtbaren Bereich des Randverbundes und somit außerhalb der lichten Glasfläche können bei Isolierglas am Glas und Abstandhalterrahmen fertigungsbedingte Merkmale erkennbar sein. Wenn konstruktionsbedingt der Isolierglas-Randverbund an einer oder mehreren Seiten nicht durch einen Rahmen abgedeckt ist, können im Bereich des Randverbundes fertigungsbedingte Merkmale sichtbar werden.

Außenflächenbeschädigung: Bei mechanischen oder chemischen Außenflächenverletzungen, die nach dem Verglasen erkannt werden, ist die Ursache zu klären. Solche Beanstandungen können auch nach den Prüfungsgrundsätzen der Qualitätsrichtlinien beurteilt werden. Auserdem gelten auch noch folgende Normen und Richtlinien:

  • Technische Richtlinien des Glaserhandwerks
  • VOB DIN 18361 “ Verglasungsarbeiten“
  • Produktnormen für die betrachteten Glasprodukte
  • Merkblatt zur Glasreinigung, herausgegeben vom Bundesverband u. a.

und die jeweiligen technischen Angaben sowie die gültigen Einbauvorschriften der Hersteller.

Physikalische Merkmale: Von der Beurteilung der visuellen Qualität ausgeschlossen sind eine Reihe unvermeidbarer physikalischer Phänomene, die sich in der lichten Glasfläche bemerkbar machen können, wie:

  • Interferenzerscheinungen
  • Doppelscheibeneffekt
  • Anisotropien
  • Kondensation auf den Scheiben-Außenflächen (Tauwasserbildung)
  • Benetzbarkeit von Glasoberflächen